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— von Amelie Fried

Heute lesen Sie wieder eine Lektion aus der Reiche >Warum Männer
und Frauen sich nicht verstehen können<. Dieses Thema behandle ich ja immer wieder mal, was daran liegt, dass es zwischen Männern und Frauen eine Fülle von Möglichkeiten gibt, sich misszuverstehen. Ja, manchmal beschleicht einen das Gefühl, das Missverständnis sei sozusagen die Basis der Kommunikation zwischen Mann und Frau, und als sei es eher Zufall, wenn sie sich mal richtig verstehen.

Nehmen wir folgenden Dialog, der sich täglich so (oder so ähnlich)
zwischen Paaren abspielt:

Sie sagt: >>Lass uns doch mal wieder schön zusammen essen gehen!<< (Sie meint: Es war so viel los in letzter Zeit, ich hätte dich gerne mal
wieder für mich.)
Er sagt: >>Warum sollen wir den ausgehen, wir haben es doch zu
Hause so gemütlich.<< (Er meint: Selber kochen ist billiger und der
Weg zum Bett ist kürzer.)
Sie sagt: >>Ich würde gerne mal wieder unter Leute.<< (Sie meint:
Ich möchte mal endlich meine neue Klamotte ausführen, und dich
würde ich auch gerne mal wieder in was anderem sehen als in
deinem alten Bademantel.)
Er sagt: >>Ich dachte, du willst mich für dich allein haben.<< (Er
meint: Du langweilst dich also mit mir.)
Sie sagt: >>Deshalb können wir doch trotzdem ins Restaurant gehen.<< (Sie meint: Ich will einfach mal wieder verwöhnt werden.)
Er sagt: >>Du kochst viel besser.<< (Er meint: Solange du kochst,
könnte ich die erste Halbzeit Bayern–Schalke anschauen.)
Sie sagt: >>Ich hab keine Lust zu kochen.<< (Er versteht: Ich habe
keine Lust auf dich.)
Er sagt: >>Ich habe heute Abend sowieso ein Meeting, könnte etwas
später werden.<< (Er meint: Dann schau ich das Spiel eben mit
meinen Kumpels an …) (Sie versteht: Ich habe etwas Besseres vor,
als mit dir essen zu gehen.)
Sie sagt: >>Du liebst mich nicht mehr.<< (Sie meint, was sie sagt.)
Er sagt: >>Wie kommst du denn darauf?<< (Er meint: Wenn du
schon keine Lust auf Sex hast, dann lass mich wenigstens das Fuß-
ballspiel ansehen.)
Sie sagt: >>Ich spür das einfach.<< (Sie meint: Du bist ein unsensibler
Klotz.)
Er sagt: >>Du spinnst.<< (Er meint: Hast du deine Tage?)
Sie sagt: >>Ich glaube, wir sollten uns trennen.<< (Sie meint: Jetzt
nimm mich doch endlich in den Arm!)

Wie dieser Dialog endet, ist von Fall zu Fall verschieden, sicher ist:
Mann und Frau haben mal wieder grandios aneinander vorbeigeredet,
und das, ohne es zu merken. Das Problem ist nämlich, dass beide
glauben, der andere meint immer, was er sagt, müsse aber verstehen,
dass man selbst eigentlich etwas anderes meint. Aber um sich miss-
zuverstehen, muss man nicht mal eine Unterhaltung führen, schon
einzelne Begriffe werden von Männern und Frauen völlig unterschied-
lich aufgefasst, wie folgende Beispiele zeigen:

Einkaufen:
Für Frauen = gemütliches, stundenlanges Bummeln durch Läden und
Kaufhäuser, gelegentliche Anprobe von Kleidungsstücken, zwischen-
durch Kaffe und Kuchen.
Für Männer = Aufsuchen einer Geschäftes, Tunnelblick auf das was
gekauft werden soll, Anprobe von maximal zwei Teilen, Verlassen
des Geschäftes nach höchstens zehn Minuten.

Schenken:
Für Frauen = ein Anlass, den Lieben mal wieder so richtig zu über-
raschen.
Für Männer = ein Anlass, sich von der Liebsten mal wieder so richtig
überraschen zu lassen.

Sex:
Für sie Beweis für die Existenz ihrer Liebe.
Für ihn Beweis für die Existenz seiner Triebe.

Romantik:
Sie (blickt schwärmerisch zum Nachthimmel hoch): >>Schau mal,
wie schön der Mond ist!<<
Er (blickt misstrauisch zu ihr): >>Was willst du denn damit sagen?<<

Fazit:
Man muss jemanden nicht verstehen, um ihn zu lieben. —

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