— von Nicole Baude (FbP) —
Des Mausklicks beraubt auf www.dontclick.it

Was passiert wenn uns der Mausklick als essentielles Element zur
Navigation innerhalb eines User Interfaces einfach genommen wird?
Verändert sich dadurch unsere Wahrnehmung dieses Interfaces? Ist
der Klick so tief in uns verwurzelt, dass wir der Gewohnheit nicht zu
widerstehen vermögen? Oder vermissen wir diesen Mausklick
womöglich nicht einmal und eröffnet die Navigation mittels anderer
Mechanismen ganz neue Möglichkeiten in Gestaltung, Nutzung und
Rezeption von Informationen?
Diese und andere Fragen stellte der Essener Grafikdesigner Alex
Frank im Rahmen seiner Diplomarbeit www.dontclick.it. Die Ant-
worten — und darin liegt der große Reiz dieser Seite — präsentiert
der Autor nicht selbst. Vielmehr wird der Nutzer angeregt das
Konzept zu erforschen, damit Teil der Studie zu werden und sich
einige der Antworten selbst zu erschließen.

CAN YOU RESIST TO CLICK?
Die Navigation durch die Inhalte erfolgt mittels Mausgesten, die den
Klick ersetzen. Hierzu werden mehrere Möglichkeiten Buttons zu
aktivieren mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt. Die Seite selbst
bedient sich der Steuerung durch die Bewegung des Mauszeigers
über den Button hinweg. Der Hauptnachteil in dieser Art Navigation
liegt in dem recht hohen Risiko ungewollt Aktionen durch versehent-
liche Mausbewegungen auszulösen.
Grundsätzlich hätten Mängel in der Gestaltung hier weitreichende
Folgen für die Nutzung der Oberfläche, Chaos und Verwirrung wären
vorprogrammiert.
Bei Herrn Frank funktioniert es prima. Schon nach nur 5 Minuten
antworte ich im Do-You-Miss-The-Click-Popup mit Nein und der
nachfolgende Besuch einer clickbasierten Website stürzt mich in
tiefste Verwirrung.

THE CLICK ERGONOMY
Die Seite bietet zusätzlich zur Vorstellung des Konzeptes Informationen
zur Geschichte der grafischen Benutzeroberfläche (THE CLICK
HISTORY), erläutert warum unser gesamter Körper in die Nutzung
des Interfaces einbezogen ist (THE CLICK ERGONOMY) und bietet
auch gleich die virtuelle Fahrt ins MOUSECAMP an, wo ich meine arme
Maus durch einen Irrgarten führen und mich einer Spinneninvasion
stellen muss.
Im Punkt AUTOPILOT können die Mausbewegungen der ersten 20
Sekunden vorheriger Besucher dieser Seite nachvollzogen werden.
Das reicht von zielsicheren Wanderungen durch die Inhalte über
offenbare Orientierungslosigkeit die sich in chaotischen Zickzack-Be-
wegungen äußert bis hin zur totalen Mausparalyse.
Alles in allem ist diese Seite jedem zu empfehlen, der Spaß an Web-
design hat. Hervorzuheben ist auch die aussergewöhlich ansprechende
Gestaltung.
Alex Frank lebt in Essen und arbeite ursprünglich als Grafikdesigner
für diverse Magazine bevor er begann sich mit der Gestaltung von
Benutzeroberflächen zu beschäftigen. Beweggrund: “… because I fell
in love with Flash.”

